Blick am Abend

Liebe Freunde

Letzthin im Zug habe ich mir wieder einmal die labbrige Kolumne im Blick am Abend gegeben.
Traurige Sache.
Nicht lustig.
Wirklich nicht.
...und drum (wägadäm,wägadäm,wägadäm!), liebe, reale Freunde, die mir täglich begegnen und mich zum Outing im Blick überreden wollen: NEIN. Ich werde niemals meine Geschichtchen dort hinschicken! Was für ein hässliches Umfeld! Im gleichen Blättchen wie der unglaublich langweilige Herr Glogger! Pfuiteufel! Und dann würde ich irgendwann abgewählt werden und in Depressionen versinken und von Ratten angenagt werden. Ne,neeeee.

Zum aktuellen Thema in besagter Kolumne habe ich aber auch was zu sagen: Ich hatte nämlich auch mal eine Mädels-WG!!

Nach der Zeit im Schwesternhaus (quasi feuchter Traum aller Männer und Mega-WG) sind Julia, Yvonne und ich in eine absolut überteuerte Wohnung im 5.Stock ohne Lift, mitten ins Judenmekka von Zürich gezogen. Herrliche Sache! Direkt gegenüber lag das "Abart" - damals (vor sage und schreibe zehn Jahren!) der allerbeste Club überhaupt - für uns! Wir lebten von "kalten Plättlis" (konnte ja keine kochen!) und jeder Mann, der jemals einen Fuss in unsere Wohnung gesetzt hat, war absolut beeindruckt: Qualm bis zur Decke, Alkohol in rauhen Mengen, kein Gemüse im Kühlschrank, dafür zwei Meter hoch gestapelte Pizzaschachteln (ich trainiere sie heute noch ab!).
Die Wohnung bekamen wir wahrscheinlich nur, weil der Vermieter ein unglaublicher Flachwichser und notgeiler Mittvierziger war und Yvonne (hellbraun, gelockt), Julia (dunkelbraun, gewellt) und ich (blond, glatt) den Geschmack jedes Mannes trafen - irgendwie. Ausserdem muss er uns für absolut dumm gehalten haben! Dies zeigte sich, indem er jeden Brief an uns mit "Pampa, heiteres Wetter, 17°C" begonnen hat. Sehr professionell. Aber es war uns scheissegal: Hauptsache, wir hatten eine Wohnung! Im nachhinein betrachtet (nicht, dass jemals Zweifel bestanden hätten) verlebten wir in besagter WG eine wirklich geile Zeit! Wir waren jung und pendelten zwischen Schulstunden im Triemli und Alkoholexzessen. Herrlich. Irgendwie hatte man in diesem Alter wohl auch noch keinen Kater - anders kann ich's mir nicht erklären, dass wir an wirklich jedem Wochentag fixe Ausgangsorte hatten: Montag = Xtra, Dienstag = Rockfabrik (ja, ja, wir waren jung!), Mittwoch = Kaufleuten, Donnerstag = Kanzlei, Freitag = Abart, Samstag = Abart, Sonntag = Kaufleuten. Unsere Sorgen beschränkten sich darauf, unsere H&M Unterwäsche, budgetmässig absolut verständlich jedes Modell in dreifacher Ausführung, so zu sortieren, dass am Ende das richtige Höschen den richtigen Arsch wieder trifft. Hatten eine ganz ausgefuxte Methode mit Etikett ganz, nur halb, oder gar nicht wegschneiden. Eines Tages entdeckten wir dann auch die wahnsinnig praktischen Wäschenetzli, welche unser Leben erheblich leichter machten!
Auch sonst waren wir sehr lösungsorientiert und praktisch eingerichtet: Im Bad standen drei hellblaue Plastikboxen, welche in manchem Haushalt als Abfalleimer durchgegangen wären. Bei uns wurden sie aber fein säuberlich mit Namen beschriftet und mit Schminkzeugs gefüllt. Locker hätte unser Bad als Drogerie-Outlet durchgehen können!
Nur mit den Nachbarn hatten wir etwas Pech (und ich meine jetzt - gottbewahre - nicht die Juden!)... Unter uns wohnte eine neurotische, übermusikalische Ergotherapeutin, die glaubs ganz gerne unsere Freundin gewesen wäre... Unser Bedarf war jedoch gedeckt und so beschränkten sich unsere Treffen auf Motzen in der Waschküche und unfreiwilliges Besteigen ihres Bambus im Treppenhaus (ich war aber auch sowas von betrunken, als ich mich in dieses Gestrüpp setzte!). Im Haus daneben wohnte Ali - oder wie auch immer er geheissen hat. Ein Inder, der gerne lauten Heimatpop hörte und mich regelmässig in den Wahnsinn trieb!! Eines Tages, als ich nach der Nachtschicht versuchte zu schlafen (in meinem Leben VOR Dormicum), endete sein Musikstündli damit, dass ich wutentbrannt und mit einem Besen bewaffnet (man stelle sich das mal vor!) zu ihm rüberrannte und ihn dermassen anbrüllte, dass von da an ewige Ruhe herrschte. Wahrscheinlich hat er mich nicht verstanden, mein Aufzug und der Besen haben meine Message aber auch vermitteln können. So war das also. .

..und weil ich immer noch ein bisschen Angst vor Ali's Rache und vor einer Anklage wegen Antisemitismus habe (immerhin verwende ich das Wort "Jude"!) (wobei ich auch hier wieder einmal darauf verweisen möchte, dass ich tatsächlich mehr links als rechts bin und im Leben nie Puff mit irgendwelchen religiös-Radikalen haben will!!), werde ich meine Geschichten niemals im Blick veröffentlichen. Punkt.
(Aber irgendwann werde ich dem Glogger mal mailen! Dummer, humorloser Sack!)

xxx, Eure Jeannine

25.5.10 20:03

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