Velotour

Liebe Freunde

Wie Ihr wisst, schmuggle ich mich dauernd in irgendwelche OK-Grüpplis. So kommt es, dass ich als quasi Nicht-Skifahrer den Skitag mitorganisiert, beim Personalfest mitgemischelt habe und jetzt eben eine spassige Velotour für das ganze Gschäft vorbereite. Gottseidank gemeinsam mit dem Doc (der ganz im Gegensatz zu mir täglich auf dem Velo unterwegs ist!)!

Die Idee: Mit dem Velo von Zürich nach Stein am Rhein, dann nach Mammern zum Zelten. Gute Idee!

Als Touren-Neulinge haben wir vernunftshalber entschieden, die Route mal abzufahren, damit man weiss, wo's lang geht und ein bisschen bezüglich Flora und Fauna und Kultur und Schlösschen klugscheissern kann. Hab uns auch voller Elan eine Bodensee-Karte und ein Veloland-Zürich-Büechli besorgt - Auf der Karte findet man wohl Stein am Rhein und im Büechli Zürich und Winterthur, nur fehlt leider die Verbindung... Der Wille war aber da und die Motivation immer noch grenzenlos! Hab mir drum auch "just do it" (anstelle Arschgeweih auf's Hösli gestickt) Coolingpants gekauft und der Doc liess sich von mir zu krassem Reebook-Windjäckli-Schnäppchen überreden. Wobei gesagt werden muss, dass diese, gemäss Gebrauchsanweisung mehr den Geist als den Körper schützt - "wie eine Umarmung" fühle sich die Jacke nämlich an! Zugegebenermassen kann man sagen, dass wir uns also mehr auf Slogans als auf Tauglichkeit verlassen haben. Fragt mal den Doc, wie lange er unter seiner Umarmung trocken geblieben ist (bevor er sämtliche Poren mit Giftgas erstickt hat), als das Gewitter kam?!

So sind wir also an einem Sonntag locker um elf Uhr mittags in Oerlikon losgefahren - einfach mal schauen, wie weit wir kommen. Haben dirket auch sehr patente, rote Routenwegweiser entdeckt, denen wir vertrauensvoll mit nur kleineren Verfahrungen gefolgt sind. Hätten uns besoffene Rentner nicht reingeredet, wärs fast ganz ohne Umwege gegangen. Die Laune war folglich gut, die Sonne heiss und die Transpiration (meinerseits jedenfalls) unglaublich! Am frühen Nachmittag haben wir Winterthur hinter uns gelassen und wurden vom Hunger in eine Burgbeiz getrieben. Man weiss nicht genau, wo die sich geographisch genau befindet, war aber lecker und verdient. In der Euphorie wurde Entschluss gefasst, knallhart bis Stein am Rhein weiter zu fahren... Dies bereute ich nach wenigen Metern ungemein - mein Füdli hat während der Rast bereits in den Aua-Modus geschaltet. Doch das war noch nicht das Schlimmste: am Horizont sah ich einen ein Berg!! Und mein innerer Kompass sagte mir, dass der Weg nach Stein am Rhein unvermeidbar darüber führen muss... Alles beten für Umfahrung, Tunnel, Sesselbahn oder TCS half nix - es ging bergauf. Steil... Der Doc (der nichtrauchende, velogewohnte, massiv sportlichere) fuhr locker flockig drauf los, während ich mit meinem Cat-Cruiser hinterher keuchte. Ich versuchte krampfhaft, an das mir eingebläute Mantra (von wegen ich und die Strasse und meditatives Konzentrieren und überhaupt!) zu denken, kapitulierte nach gefühlten 3000 Höhenmetern dann aber doch. Schob dann folglich das verdammte (mindestens 50kg schwere!) Velo den Berg hinauf - mit Flipflops und Gänsehaut. Bin mir immer noch absolut sicher, dass ich Hitzeschock hatte und nur drum konditionell etwas eingeschränkt war - ist aber blöd, wenn die Begleitung ein Arzt ist... Jä nu!
Als der Berg überwunden war, stellte sich die manische Phase ein und es ging mir wieder richtig gut! Ich trank jeden Dorfbrunnen leer - selbst die, die voller Algen waren (bin vom Lande und beherberge unzählige Bakterienheerscharen in meinem Magen-Darm-Trakt!) und hätte locker ins Salzgeschäft einsteigen können: Konnte es quasi Kiloweise von meinem Gesicht abkratzen. Trotz Coolingpants (und wahrscheinlich nur wegen dem dummen Lenor) verwandelte sich mein Hintern in Sumpflandschaft. Alles very sexy! Der Doc hingegen schien abgesehen von verkohlter Stirn immer noch ziemlich frisch. Grmpf.

In Stein am Rhein gab's dann heiss ersehntes Bier und Cola light! Sehr lecker! Sehr verdient! ...historisches Häuser-gucken und Japaner-glotzen inklusive. Weil alle beteiligten Hintern zu diesem Zeitpunkt definitiv nicht mehr Velo-tauglich waren und sich am Horizont böse Wolken bildeten, entschieden wir uns für den Zug zurück in die Heimat.
Obwohl: Es war kein Zug. Es war der Turbolino. Und glaubt mir: Der Name täuscht extrem! Tempomässig ist besagtes Verkehrsmittel nämlich eher mit einem Tram zu vergleichen. Immerhin bot sich so die Gelegenheit, nach Badetümpeln Ausschau zu halten und die Natur zu bewundern (was vor lauter Konzentration auf's unfallfreie Velofahren flöten ging!). Aufgrund der Dorfbrunnen und der verdienten Biere machte sich irgendwann meine Blase bemerkbar. Dachte mir, das sei nicht so problematisch - leider war das einzige WC im Turbolino jedoch defekt. ...Ihr glaubt gar nicht, wieviele Käffer ich für ihre Bahnhöfe verflucht habe, bis wir endlich in Winterthur aussteigen konnten und ich zu McClean hechtete!!!

Es folgte die letzte Veloetappe von Bahnhof zur Badewanne - welche sich aber aufgrund des Gewitters beinahe erübrigte! Immerhin wurde ich meine Salzkrusten so schon vor der Wohnungstür los und der Doc lernte, dass sich Imprägnierungsmittel bei Schnäppchen-Jacken doch lohnen.

The day after - liesst sich folgendes über meinen Zustand sagen: Dekubitus am Daumen rechts von der ängstlich umklammerten Gangschaltung, Blasen Handinnenfläche rechts wegen ebenfalls ängstlich umklammerter Bremse, äusserst druckdolenter Hintern, bockharte Oberschenkel (vermute Logensyndrom oder andere krasse Verletzung!)
... und den Intimbereich will ich Euch echt nicht näher beschreiben! Als wäre das nicht schlimm genug, erhalte ich vom Doc ein Mail, in welchem er mir über seinen nach wie vor geschmeidigen Gang und der Unglaublichkeit, dass er heute bereits wieder mit dem Velo ins Gschäft gefahren ist, berichtet. Doppel-Grmpf.
Megazonk.
...und die eigentliche Velotour kommt ja erst!! Drum an dieser Stelle: Hat jemand ein Velo für mich? Möglichst elektrisch mit Sofasitz und höchstens 1kg schwer? Und ein Zelt bräuchte ich auch noch! Und Velohändschli!! Und ein Ganzkörperdeo!!

Bis dahin werde ich meine Wunden lecken und die körperliche Verfassung des Docs ignorieren.
Kallhart (wie meine schmerzenden Oberschenkel!).
Wird super!

xxx, Eure Jeannine (trainiert nachts heimlich!)

25.6.10 20:06

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